Zeche P. | Ehemalige Ziegelei (NRW, Juli 2020)

Die Zeche P. ist eine ehemalige Ziegelei in Nordrhein-Westfalen. Unsere Bilder zeigen den Stand des stark verwilderten Geländes und des einsturzgefährdeten Hauptgebäudes im Jahre 2020, etwa 30 Jahre nach der Schließung. Das Gebäude ist akut einsturzgefährdet und es sind bereits Gebäudeteile eingestürzt.

Ein Besuch des Objekts ist lebensgefährlich, insbesondere für unerfahrene Urbexer. Auf Grund des desolaten Zustands der Bausubstanz raten wir aber auch erfahrenen Urbexern von einem Besuch dringend ab. Das Gelände ist abgesperrt, ein Betreten somit strafbar.

Die Zeche P. wurde im Jahr 1841 von Albert von M. in einer Gegend in Nordrhein-Westfalen gegründet, in der es ein nennenswertes Tonvorkommen gab, welches zunächst auch über eine eigene Tongrube als Quelle für Ton diente.

Bereits 21 Jahre nach der Eröffnung wurde die Ziegelei von einem Großbrand heimgesucht: Das damalige Ofenhaus brannte komplett nieder und wurde durch einen neuen dreigeschössigen Backsteinbau ersetzt.

Die wirtschaftlichen Erfolge konnten jedoch, möglicherweise auf Grund des ersten Weltkrieges, nicht gehalten werden und elf Jahre der Übernahme meldete die P. AG aus Bonn Insolvenz an. Dazu, wieviele der 240 Mitarbeiter zum Zeitpunkt der Firmenübernahme nach dem zweiten Weltkrieg noch Beschäftigten waren, liegen keine Zahlen vor.

Nach aktuellen Stand ist es wohl auch nicht klar, ob ein Großbrand kurz nach der Isolvenz ein rein zufälliges Ereignis oder möglicherweise der Versuch eines Versicherungsbetrugs durch Brandstiftung war. Fakt ist jedenfalls: 1924 wurde ein großer Teil des Werksgeländes ein Raub der Flammen.

Etwa zwei Jahre nach dem verheerenden Großbrand wurde das Gelände von Heinrich S. aufgekauft. Der Vorfahre der späteren Eigentümerfamilie G. produzierte unter neuem Namen zunächst Klinkersteine und daraufhin, als die örtliche Tongrube nach wenigen Jahren erschöpft war, feuerfeste Steine.

Hierfür baute er das zwei Jahre zuvor zerstörte Ofenhaus und die weiteren Teile des Werksgeländes nach eigenen Plänen fast komplett neu auf.

Im Jahre 1930 stellte die Firma von Heinrich S. die Produktion von feuerfesten Steinen vollständig auf Röhren aus Steinzeug um. Der benötigte Ton wurde über eine Schmalspurbahn aus anderen Tongruben in Nordrhein-Westfalen angeliefert.

Obgleich der zweite Weltkrieg eine Belastung für das traditionsreiche Werk darstellte, überstand es diese schwierige Zeit: Nach dem zweiten Weltkrieg war die inzwischen P…werk genannte Ziegelei als qualitativ hochwertiger Produzent von Steinzeugröhren bekannt und exportierte seine Produkte fast nach ganz Europa.

Die Qualität konnte jedoch nicht verhindern, dass das Unternehmen unter Leitung des Eigentümers Gerhard G. im Jahr 1971 die Produktion einstellen musste, weil sich preisgünstigere PVC-Rohre immer mehr verbreiteten und eine erforderliche Modernisierung der Anlagen der Firma, beispielsweise um auf PVC-Produktion umzusteigen, nicht wirtschaftlich gewesen wäre.

In den Jahren nach der Schließung und dem Verkauf der Betriebsaustattung befand sich bis in die 1990er Jahre eine Firma in den Hallen, die Produktionsmaschinen herstellte.

Im Jahre 1991 hat die Eigentümerfamilie G., der das Gelände auch heute gehört hat, das gesamte Gelände an die Rehaklinik Sankt A. GbR veräußert. Aus den vermutlichen Plänen zum Bau einer Rehaklinik wurde jedoch nichts – bis der Bebauungsplan angepasst war, waren bereits andere Kliniken gebaut und mangels Bedarf wäre ein wirtschaftlicher Betrieb nicht denkbar gewesen.

Und so hat sich seit 1991 keine Nachnutzung mehr ergeben. Der Bebauungsplan sieht wohl immer noch die Möglichkeit einer Reha-Klinik vor.

Inzwischen ist der größte Teil des Geländes völlig verwildert, die Gebäude einsturzgefährdet.

Lediglich die Firmenvilla im vorderen Bereiche des Geländes wird von Familie G. als Monteurswohnungen beziehungsweise Zeitwohnungen vermietet und auch von Herrn G. selbst bewohnt und als Büroräumlichkeiten für seine Tätigkeit als Architekt genutzt. Ob sich das gesamte Gelände wieder im Besitz von Familie G. befindet oder nur der vordere Teil, ist nicht bekannt.

Das folgende Luftbild zeigt die Firmenvilla im Jahr 2011.

Die vollständige Bildergalerie vom Besuch im Juli 2020

Das Luftbild der Firmenvilla (Juli 2011) stammt von „Wolkenkratzer“ (Pseudonym) auf Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0 Lizenz.