Klinik A. | Ehemalige Klinik und Altenheim (NRW, Juli 2020)

Ein Betrugsskandal und viele nicht umgesetzte Pläne zeichnen die Historie dieser verlassenen Klinik in einem Waldgebiet in Nordrhein-Westfalen. Aber fangen wir ganz von vorne an: Im Jahre 1910 wurde die Klinik A. als Heilstätte für Tuberkulosekranke eröffnet und im weiteren Verlauf bis in die 1950er zu einem pneumologischen Fachkrankenhaus ausgebaut, welches noch bis Ende der 70er-Jahre betrieben wurde.

Zum Ende der Fachklinik wurde das Gelände zu einem Seniorenheim umgewandelt, welches von der Seniorenpflegeheim A. GmbH betrieben wurde. Hierbei spezialisierte man sich besonders auf die Pflege von Menschen mit besonders hohem Pflegebedarf. Das Gelände gehörte zu diesem Zeitpunkt wohl weiterhin dem Klinikverein.

Ein erstes Insolvenzverfahren lief von 2002 bis 2005, als ein niederländischer Investor fast 4 Millionen Euro zur Verfügung stellte, wovon eine Million Euro für die Sanierung des Gebäudes und der Rest für die finanzielle Sanierung zur Verfügung stehen sollten. Gegen Ende 2005 begann dann der große Betrugsfall.

Insgesamt verschwanden über einer Million Euro in dieser Zeit aus dem Vermögen des Vereins, ohne dass es hierfür Belege oder Unterlage gab. Zusätzlich zum Verlust tauchten zu diesem Zeitpunkt neue Forderungen unter Anderem vom Landgericht auf, so dass mangels liquider Mittel und hoher Forderungen ein Insolvenzverfahren unvermeidbar war. Dieses Mal fand sich allerdings, vermutlich auch auf Grund der verschwundenen Geldsummen, kein Investor und die Einrichtung mit zuletzt etwa 50 Bewohnern schloss zum 31.12.2006 endgültig ihre Tore.

Im Jahre 2007 kam dann Aufklärung in die Sache: Ein Trio aus dem damaligen Vereinsvorsitzenden, dem Vorstands der Pflegeheim-Gesellschaft und einem Vorstandsmitglied hatte die Gelder veruntreut und gleichzeitig Vereinsgrundstücke als Sicherung für private Kredite eingesetzt. Der damalige Vereinsvorsitzende kam hierfür ins Gefängnis, der Vorstand der Pflegeheim-Gesellschaft bekam eine Bewährungsstrafe. Das Verfahren gegen das ehemalige Vorstandsmitglied wurde unter Geldauflage und gemeinnütziger Arbeit eingestellt, er ist somit weiterhin unbestraft.

Im Jahre 2009 wollte die Unterdüssel GmbH mit einer Investitionssumme von rund 70 Millionen Euro auf dem Gelände der ehemaligen Klinik ein 5-Sterne-Hotel sowie eine Privatklinik errichten. Das Hauptgebäude sollte hierfür zunächst erhalten bleiben. Doch es passierte: Nichts.

Auch etwa ein Jahr nach den ersten Ankündigungen hieß es seitens der Unterdüssel GmbH immer noch, dass das Projekt am Laufen sei und sogar bereits Ärzte verpflichtet worden seien. Doch der geplante Baubeginn im Herbst 2010 verstrich ohne, dass nur ein einziger Handwerker sich dem Gelände genähert hätte. Auch die Ankündigung im Jahre 2011 weitere Informationen und konkrete Pläne zu präsentieren, ließ die Unterdüssel GmbH verstreichen.

Weiter geschah nicht viel: Selbst eine Abrissgenehmigung, um eine kleinere Klinik zu errichten, wurde im Jahre 2012 nicht genutzt. Lediglich Vandalismus und Diebstähle nahmen zu, nachdem ein Horrorfilm unter ausführlicher Berichterstattung der Lokalzeitungen im leerstehenden Gebäude gedreht wurde. Auch weitere Pläne zum Abriss und Neunutzung des Geländes wurden bislang nicht weiterverfolgt, sei es die Planung einer Klinik für forensische Psychiatrie oder die Planung einer eigenen kleinen Gemeinde namens Park A. im Wald mit Klinik, Seniorenheim, Kita und Wohnhäusern.

Inzwischen ist das Gelände weitestgehend gesichert, auch Videokameras sind vorhanden, und sämtliche Zugänge zum im Jahre 2014 notdürftig für die Pläne der Sanierung im Rahmen des Projekts Park A. abgedichteten Hauptgebäude sind zugemauert. Weitere konkrete Pläne für die Nachnutzung oder Investoren scheint es derzeit keine zugeben, lediglich ein CDU-Politiker setzte sich 2020 erneut für den Bau einer Klinik für forensische Psychiatrie auf dem Gelände ein.

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